Musiktheater

Die weiße Rose

2018

Gewagtes Stück packend inszeniert

Die Geraer Lesart von Juliane Stephan (Regie) und Ronald Winter (Ausstattung, Video) versucht, gangbare Wege für alle zu eröffnen. Der Zuschauer bekommt anfangs per Video alle nötigen Informationen zum Hintergrund des Schicksals der Scholls und erlebt danach eine sorgfältig gearbeitete Inszenierung, der zum Schluss auch nicht Hinweise auf das Hier und Heute fehlen. In rascher Folge blendet man Nazi-Plakate und verflixt ähnlich ausfallende Wahlaufrufe heutiger politischer Verführer ein.

Die mit großer Hingabe agierenden Darsteller werden nicht zu grenzgängerischen Aktionen genötigt, sondern zeichnen sich durch eine sparsame, natürlich bleibende Mimik und Gestik aus. Dennoch – ein echtes Markenzeichen – heben sich die emotionalen Unterschiede zwischen den Szenen scharf ab.

http://www.otz.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/Gewagtes-Stueck-packend-inszeniert-568664511

Udo Zimmermann

Bühne, Kostüme, Video

Widerstand und früher Tod

Ronald Winter setzt auf die breite Spielfläche ein Eisengitter zwischen die Geschwister und hinter sie zwei weiße Wände, die sich im großen Zwischenspiel, dem einzigen pathetisch auftrumpfenden Moment der Partitur, teilen. Zwei Mitglieder des Thüringer Opernstudios erobern sich die riesigen und durch die erforderliche Sensibilität für die richtige Balance des emotionalen Ausdrucks äußerst schweren Partien.
„Weiße Rose“ erfährt in Gera die Überhöhung zu einem deutschen Requiem mit mehr Traurigkeit als Trost, dem Aufruf zum Widerstand gegen Antihumanität gestern, heute, morgen. Man erlebt keine makellose Überhöhung oder opernhaft posierende Selbstgefälligkeit, sondern eine bewegende Selbstbefragung über Zweifel und letztlich doch Gewissheit über den inneren Sieg.

https://www.concerti.de/oper/opern-kritiken/theater-altenburg-gera-weisse-rose-10-2-2018/


Gera: „Weiße Rose“

Mit subtiler Personenführung erreicht Regisseurin Juliane Stephan eine zwingende Darstellung des Geschehens. Unterstützt wird sie dabei durch Ronald Winters sparsame Bühnen- und Kostümgestaltung. Lediglich ein die beiden Zellen der inhaftierten trennendes Eisengitter sowie helle Wandteile kennzeichnen die Stätte, wo Sophie und Hans die letzten Stunden vor ihrer Hinrichtung verbringen. Und Winters Videoeinblendungen zu Beginn des Stückes vermitteln überdies Hinweise auf die Vorgeschichte. Mit große, Einfühlungsvermögen in die gedanken- und Gefühlswelt der verkörperten Personen verleihen die Sopranisten Emma Moore und der Bariton Florian Neubauer den Partien der Sophie bzw. des Hans glaubwürdiges, beeindruckendes Profil.

„Der Neue Merker“, 04.2018

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