"Der Nussknacker", 2014
in der Choreografie von Sergej Gordienko

Die Entwicklung eines Bühnenbildes ist kein geradliniger Vorgang. Doch kaum eine Bühne hat sich von den ersten Skizzen zum letztendlichen Bühnenbild so oft und so grundlegend verändert wie die Bühnengestaltung des "Nussknackers" am Staatstheater Schwerin.  
Darum lohnt ein Blick in das Skizzenbuch.


Vergleich E.T.A. Hoffmann mit P.I.Tschaikowski

           



Auf der Bühne werden Geschichten erzählt - mittels Schauspiel, mittels Gesang, mittels Tanz.
Da sich in Tschaikowskis Ballettversion und -Vision allerdings kaum noch etwas vom Hoffmann'schem Geist wiederfindet, begann ich meine Arbeit mit Illustrationen zu Hoffmanns Märchen.

       

       




"Der Nussknacker" hat viel mit Traumrealitäten, Traum-im-Traum, aber auch mit Erwachsenwerden zu tun.
Ein früher Gedanke war, dies in Veränderungen von Größenverhältnissen und Strukturen zu vermitteln.
Im Schweriner Bühnenbild findet sich diese Idee in der falschen Perspektive der Stube, dem wachsenden Weihnachtsbaum sowie im "Weihnachtsmarkt" wieder.

       
          





Maries Pate Drosselmeyer, der unheimliche Uhrmachermeister und Erfinder von mechanischem Spielzeug, spielt sowohl bei Hoffmann wie auch bei Tschaikowski eine große Rolle in Maries Leben. Eine spannende Idee war, das Spiel mit Größenverhältnissen und Realitätsebenen mittels einer Uhr zu verdeutlichen. Drosselmeyer und Drosselmeyers Werk würden Marie so bis in ihre Träume verfolgen.
Der erste Auftritt der Mäuse in der Schweriner Bühne erfolgt aus dem Uhrenkasten.


     




Eigentlich reist Marie im zweiten Akt mit dem Nussknacker durch das Land der Süßigkeiten. Aufwändige, schnelle Szenenwechsel wären nötig, um für jedes Divertissement seinen regionalen Hintergrund zu schaffen.
Wir lösten dies über einen Weihnachtsmarkt im Wald, wobei jede Weihnachtsmarktbude sowie die verschiedenen Seiten des Karussels für ein Divertissement stehen. 
Um der Logik des Traumes zu folgen veränderten sich die Buden zu übergroßen Süßigkeiten.

                  




Zuletzt  ein Beispiel, wie sich eine Bleistiftzeichnung in ein Bühnenbild verwandelt. Dazu ist weder ein Traum noch Magie nötig, nur viele fleißige Hände und kreative Mitarbeiter.
Mehr dazu im Abschnitt "Mein Freund Bunbury" (2009) und "Die Fledermaus" (2018).